Paul van Dyk zum Loveparade-Desaster
Paul van Dyk war Gast in dem ZDF Polit-Talk mit Maybrit Illner am 29. Juli 2010. Er spricht die kritischen Punkte sehr deutlich an und zieht auch Vergleiche zu der Organisation von Großveranstaltungen in anderen Ländern, zum Beispiel Großbritannien. In einer einem Welt-DJ gebührenden Sachlichkeit nimmt er kein Blatt vor dem Mund und stellt seine Sicht auf die Rolle des Veranstalters und verantwortlicher Politiker in Duisburg dar.
Die Zeichen der Trauer
Eine Woche nach der unfassbaren Tragödie bei der LoveParade in Duisburg gibt es viele Zeichen der Trauer und Anteilnahme.
Tom Novy erwähnt in einem Beitrag in der Zeitschrift Raveline, dass er den Gedanken hatte, die Zukunft der LoveParade nicht von der Entscheidung von Rainer Schaller als Mc Fit Geschäftsführers abhängig zu machen. Wir alle (“unsere Szene”) sollten versuchen, “zum Andenken und Ehren der Toten und Verletzten die Parade zurück nach Berlin zu holen und nächstes Jahr diese Tragödie zwar nicht unvergessen zu machen, aber ein Zeichen zu setzen, dass Geldhunger und Machtgier nicht die Ideale sind, für die die Loveparade steht sondern Friede, Freiheit und Liebe!”
Auf der anderen Seite wird in der gleichen Zeitschrift (Raveline Nr. 209, August 2010) Westbam zitiert mit den Worten: “Die Loveparade ist in diesem Augenblick gestorben, als diese armen Menschen zu Tode gekommen sind. In Roskilde sind auch Menschen gestorben. Wenn die Loveparade ein normales Event gewesen wäre, hätte man darüber reden können… Aber die Loveparade ist zu keiner Zeit ein normales Event gewesen. Die Loveparade gibt es nach diesem Wochenende nicht mehr.”
Zwei konträre Meinungen, beide sind für mich nachvollziehbar. Mir fällt es schwer, hier eindeutig eine Position zu beziehen.
Ich finde es sehr schade, dass die Loveparadde ein solches Ende nimmt. Das hat sie nicht verdient. Und ich würde mich wirklich freuen, wenn wir es schaffen, erneut eine Parade mit ihrem ursprünglichen Ziel hinzubekommen. Allerdings muss ich auch erkennen, dass diese Parade seit 2001 von der Politik nicht wirklich gewollt wurde. Rainer Schaller hat versucht, diese Veranstaltung zu retten, aber mit seinen eigenen Methoden. So wie er auch das Unternehmen Mc Fit führt. Das passt aber nicht zu der Loveparade und ihrem Ansatz. Niemand sonst in Deutschland hatte 2005 ein Alternativkonzept. Ich befürchte, dass diese Art von Kultur in diesem Land keinen Platz hat. Dabei war dieses Event ein Exportschlager und hat viele Nachahmer auf der ganzen Welt gefunden.
Anwohner des LoveParade Tunnels in der Karl-Lehr-Straße
Ich war heute in Duisburg und habe den verhängnisvollen Tunnel aufgesucht. Nachdem ich es letzten Samstag (zum Glück) nicht ganz bis dort hin geschafft hatte, musste ich mir diese Stelle noch einmal persönlich ansehen.
Vor dem Tunnel in der Karl-Lehr-Straße saß ein Mann, der Unterschriften für den Rücktritt von Oberbürgermeister Sauerland gesammelt hat. Er möchte mit einem Einwohnerantrag (so heißt ein Bürgerbegehren in Duisburg) erreichen, dass der Rat der Stadt Duisburg in einer “eilends einzuberufenden Sitzung die notwendigen Verfahren zur
- Abwahl von Oberbürgermeister Sauerland
- Suspendierung/Abberufung Sicherheitsdezernent Rabe
- Suspendierung/Abberufung Baudezernent Dressler
einleitet”.
Er saß auf einem Stuhl an einem Tisch auf dem Fußweg.
Als ich dort war, beschwerten sich einige Anwohner. Dieser Bereich wäre “ein Friedhof”, sein Verhalten “pietätlos”, waren einige Aussagen. Aber auch: “Sie wohnen hier nicht. Was meinen Sie, was wir seit einer Woche alles erleben”. Eine kleine Gruppe von vielleicht 15 Personen hatte sich um ihn versammelt, eine Frau sagte: “Sie sehen doch, dass Sie hier nicht erwünscht sind. Die Mehrheit ist gegen Sie.”
Eine andere Frau, die selber bei der Behörde arbeitet (habe ich aufgrund der Gespräche zwischen den Personen mitbekommen) telefonierte dann mit irgendeiner zentralen Stelle, wahrscheinlich um sich zu beschweren. Sie schilderte den Vorgang wie folgt: “Hier sammelt jemand Unterschriften dafür, dass Sauerland mehr Geld bekommt. Die Duisburger möchten das nicht, schließlich sei das hier ein Friedhof”.
Beide haben aus meiner Sicht, ihre eigene Meinung als Mehrheitsmeinung dargestellt. Und das unreflektiert. Laut dem Unterschriftensammler hätten schon mehrere hundert Menschen unterschrieben. Der Rücktritt wurde auf einer Demonstration deutlich gefordert. Ein Einwohnerantrag führt dieses Bedürfnis nun nur in das entsprechende demokratisch legitimierte Verfahren. Das im Falle eines Erfolges Sauerland dann eine Entschädigung (Geld) zusteht, ist eine Tatsache. Wenn man aus seinem “Job” geschmissen, hat dieses Recht jeder Mitarbeiter in Deutschland. Sollte deswegen der Antrag nicht gestellt werden, wenn doch das Ziel des Antrags mit dem vielfach geäußerten Wunsch des Rücktritts identisch ist?
Jedenfalls ist die Entschädigung nur eine Konsequenz des möglicherweise erfolgreichen Antrags, der Antragsteller hat dieses nicht als Ziel formuliert, sondern nur die Abwahl. Die Aussage der Dame am Telefon ist also falsch!
Das zwei Frauen ihre eigene Auffassung wiederholt als Mehrheitsmeinung darstellen, ist ebenso zu kritisieren. Beide haben sich nicht informiert, wie viele diese Unterschriftenaktion unterstützen. Mehrheit ist zum Glück messbar, aber eben nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis.
Ob dieser Ort in Duisburg als Friedhof zu bezeichnen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Unterschriftensammler hat sich jedenfalls zurückhaltend verhalten. Weder lauthals seine Meinung kundgetan, noch Menschen aufdringlich angesprochen.
Das dieser tragische Vorfall auch eine enorme politische Dimension hat, ist offensichtlich. Das Sammeln von Unterschriften ist ein absolut legitimes Unterfangen. Das zu unterbinden allerdings nicht.
Insbesondere die Aussage eines Mannes, der auf die vergangene Woche anspricht, hat bei mir das Gefühl aufkommen lassen, dass hier in erster Linie die Ruhe (im Sinne von Wunsch nach Rückkehr zur Normalität) der Anwohner im Vordergrund stand. Mich hat das entsetzt.
Häufig hört man die Aussage “Politik ist ein schmutziges Geschäft” und die Bürger zeigen dann auf die politischen Mandatsträger. Wenn wir innerhalb unserer Gesellschaft auf diese Art und Weise miteinander umgehen, ist Politik in der Tat ein schmutziges Geschäft. Aber nicht wegen der politisch Verantwortlichen, sondern weil wir Bürger so agieren.
Nature One 2010 – Tag 2
abstract @ Nature One:
Heute hat es leider zeitweise geregnet, was die Party aber nur maginal beeinflusst hat. Die meisten sind eben abgehärtet. Außerdem gab es genug überdachte Floors, wie z.B. das Zelt von abstract. Das war doch mal wieder eine richtig tolle Party.







