Nature One 2010 in Kastellaun
und ein Video:
Wetter ist trocken (jedenfalls heute), also tolles Festival
Zur Genehmigung der Loveparade: ein Protokoll
Auszug aus einem Protokoll eines Gespräches zwischen lopavent (Veranstalter der LoveParade) und verschiedenen Personen der Stadt Duisburg vom 18. Juni 2010:
(Zitat Anfang)
Beschränkte Anzahl von Besuchern:
Nach der Sonderbauverordnung dürfen nur 2 Personen pro qm zugelassen werden. Lopavent sieht dies nicht so, 62 (Anm.: Abteilung der Duisburger Behörde) hat aber wiederholt darauf hingewiesen, dass das Auflage der Nutzungsänderung werden wird.
Entfluchtung:
Nach der Sonderbauverordnung müssen bei 220.000 Besuchern, 440 Meter Fluchtweg nachgewiesen werden. Lopavent hat bisher 155 Meter nachgewiesen, da sie es aus Ihrer Erfahrung für ausreichend halten, wenn 1/3 der Personen entfluchtet werden können.
Hier entspannte sich eine “engagierte” Diskussion, in der Lopavent darauf hinwies, dass Fluchtwege mit 440 Metern von ihnen nicht dargestelt werden könnten. Diese rechtlichen Voraussetzungen hätten sie noch nie machen müssen. Sie seien überrascht, welche rechtlichen und formalen Anforderungen die Bauordnung stellen würde, ihnen ginge es allein um die praktische Seite.
Mein (Anm.: Anja Geer von Abteilung 62) Hinweis, dass dies sich daraus ergäbe, dass zum ersten Mal eine Genehmigung im Sinne der Sonderbauverordnung erteilt werden müsse, konnten sie nicht nachvollziehen. Es könne nicht um rechtliche, sondern nur um die tatsächlichen Probleme gehen.
Her Rabe stellte in diesem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse.
…
(Zitat Ende)
Hervorhebungen erfolgten durch mich.
Was heißt, Lopavent “könnte” keine 440 Meter Fluchtweg darstellen? Hat das zur Konsequenz, dass die Stadt bitte nur soviel fordern darf, wie möglich ist?
Das gesamte Protokoll ist als PDF-Datei bei derwesten.de online.
Ein zugehöriger Artikel von derwesten.de findet sich hier.
Dr. Motte zu der Tragödie bei der LoveParade
“Bei Veranstaltungen mit Hunderttausenden Menschen darf man die Menschen nicht einpferchen. Die müssen fliehen können, falls Gefahr droht. Die Menschen sind doch kein dummes Vieh. Das ist unmenschlich, ekelhaft. Die Menschen mussten sich da gestern durch diesen engen Tunnel zwängen. Und warum?
WELT ONLINE: Sagen Sie es mir.
Dr. Motte: Wegen dem Profit. Nur deshalb. Um jedem Besucher noch einen zusätzlichen Euro für Getränke aus der Tasche zu ziehen. Diese Gerede, Absperrungen würden für mehr Sicherheit sorgen – ist doch Quatsch. Wegen diesen Absperrungen mussten sich dort Menschenmassen durch einen engen Tunnel zwängen. Ist doch klar, dass der verstopft. Hier sind Menschen gestorben. Das ist das Ergebnis von deren sogenannten Sicherheitskonzept.”
(Interview mit Dr. Motte auf welt.de)
Strafanzeige gegen Rainer Schaller
Ich habe gestern erlebt, wie mehr als eine Million Menschen bewusst in ein absehbares Disaster geschickt wurden. Der Geschäftsführer der Lopavent GmbH (dem Veranstalter der LoveParade 2010) hat lt. Aussage aus dem ARD-Brennpunkt von heute 500.000 Personen angemeldet. Das Gelände war zugelassen für 250.000 Personen (Spiegel-Online, dort wird verwiesen auf das Schriftstück vom 21. Juli 2010 mit dem Aktenzeichen 62-34-WL-2010-0026). In einem n-tv-Interview vom 23. Juli 2010 sprach Rainer Schaller von erwarteten mehr als einer Million Menschen.
Das bedeutet, ihm war klar, dass nicht alle auf das Gelände konnten. Er hat billigend in Kauf genommen, viele tausend Menschen vor den Kopf zustoßen und damit ein nicht absehbares Verhalten zu provozieren.
Ich habe daher heute gegen ihn als Geschäftsführer Strafanzeige gestellt.
Dieses ist sehr einfach über ein Online-Portal möglich: Online-Strafanzeige. Hierüber können auch Bürger außerhalb von NRW eine Strafanzeige erstellen.
In Gedenken an die Opfer und deren Angehörige
Unterschiedliche Maßstäbe
29. Mai 1985: Panik im Fußballstadion in Brüssel. Ergebnis: 39 Tote, 454 Verletzte (wikipedia)
24. Juli 2010: Panik bei der LoveParade. Ergebnis: 19 Tote, viele Verletzte.
Eine LoveParade soll es deswegen jetzt nicht mehr geben. Was ist mit Fußballspielen?
Polizeigewerkschaft und DJ machen Rainer Schaller verantwortlich
Zitat:
Die 19 Toten und 342 Verletzte seien Opfer “materieller Interessen eines Veranstalters, der unter dem Deckmäntelchen der “Kulturhauptstadt 2010““ Druck ausgeübt habe, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Orscheschek, am Sonntag in einer Mitteilung. Duisburger Stadtpolitiker seien “in die Enge getrieben“ worden, so dass sie zur Loveparade trotz eindringlicher Warnungen aus dem Sicherheitsbereich nur “ja“ sagen konnten.
Polizei und Feuerwehr “haben im Vorfeld ihre Vorbehalte geäußert“, sagte Orscheschek, der zugleich Kreisvorsitzender Duisburg der Gewerkschaft ist.
Der Housemusik-Produzent DJ Mark Knight sagte am Sonntag dem britischen Fernsehsender BBC, er habe “nicht verstanden, warum das Gelände nur einen Eingang hat. (…) Das hat überhaupt keinen Sinn gemacht.“ Außerdem seien die Teilnehmer der Veranstaltung nicht ausreichend informiert worden, sagte der DJ aus der südostenglischen Stadt Maidstone. “Vielen Leuten war gar nicht bewusst, was passierte. Es war eine sehr unheimliche Stimmung.“
Auch er habe seinen Auftritt auf der Hauptbühne nicht abbrechen dürfen, sagte der Musiker weiter. Die Veranstalter hätten ihn aus Angst vor mehr Panik gebeten, sein Programm wie geplant zu spielen. “Wir erfuhren davon, kurz bevor wir dran waren. Sie sagten, die Show müsse weitergehen, wir könnten aus Furcht vor den Konsequenzen und mehr Panik nicht aufhören.“
dpa
Mir hat ein Polizist gestern am Duisburger Hauptbahnhof gesagt: “Ich hoffe, Duisburg bekommt richtig einen auf den Deckel. Es war völlig klar, dass das Gelände nicht ausreicht.”
Das war VOR der Katastrophe, als viele der Besucher sich beschwerten, dass sie vergeblich eine weite Anreise auf sich genommen haben. Ca. eine halbe Stunde später gab es die Katastrophe.
Video aus dem Tunnel bei der LoveParade
Die wollten alle einfach nur feiern – hat wirklich jemand geglaubt, dass man denen einfach so sagen kann, das Gelände ist voll?
Das Ende der LoveParade
Seit dem es die LoveParade gibt, gab es nie ernsthafte Probleme mit dieser Veranstaltung, trotz der vielen hunderttausend bis zu mehr als einer Million Besucher. Alle hatten eben das gleiche Ziel: ausgelassen feiern. Das hat die LoveParade bisher ausgemacht. Dabei blieb der Charakter der Parade (ob als Demonstration, wie am Anfang, oder als kommerzielle Veranstaltung) immer gleich. Eine bestimmte Anzahl von Trucks (sogenannte Floats) fuhren durch die Stadt, der Zugang war von allen Seiten möglich. Viele Unbeteiligte hatten die Möglichkeit, ein Gefühl von dieser Technoparade zu bekommen. Teilweise einfach, in dem sie von ihrer Wohnung aus auf das feiernde Volk heruntersahen.
So war es bisher. In diesem Jahr hat der Veranstalter Rainer Schaller das Konzept geändert. Es wurde ein abgeschlossenes Gelände ausgewählt, das nur über einen zentralen Ein- und Ausgang zu erreichen war. Ansonsten gab es eine Absperrung. Die Trucks fuhren dort im Kreis! Man hat sich also bewusst von dem Charakter einer Parade verabschiedet. Genauso hätte man die Trucks unbeweglich lassen können und so einfach 15 einzelne Bühnen gehabt. Jetzt kann man sicherlich unterschiedlicher Auffassung sein, ob man dann lieber auf die Durchführung der Parade verzichten sollte. Aber:
Wie groß ist das Gelände? 230.000qm (derwesten.de)
Wieviele Leute werden erwartet?
Vor zwei Jahren in Duisburg waren es 1,6 Millionen Besucher. Die Wettervorhersage verspricht wenig bis keinen Regen. Die kommunizierten Schätzungen von ca. 1 Million Leuten ist also nicht unrealistisch.
Was glaubt Rainer Schaller, wo die hin wollen? Natürlich zur Parade! Selbst wenn ich nur von 500.000 ausgehe, komme ich auf 0,5 qm pro Person! Rainer Schaller wusste, dass nicht alle Leute auf das Geläne kommen konnten und hat das billigend in Kauf genommen!
Ich selber wurde einge hundert Meter vor dem zentralen Eingang bereits durch eine Straßensperre aufgehalten. Dort wurde mir und vielen anderen tausend Leuten mitgeteilt, dass die Parade ohne uns stattfindet, weil das Gelände wegen Überfüllung gesperrt ist. Wir waren alle sehr enttäuscht und fassungslos. Auf dem Rückweg zum Bahnhof kamen uns weitere tausend Menschen entgegen, denen das gleiche bevorstand.
Was hat sich Rainer Schaller gedacht, wie die Menschen reagieren, die teilweise viele Stunden Anreise hinter sich hatten, teilweise aus dem Ausland gekommen sind, um an der LoveParade teilzumehmen und denen dann gesagt wird, das Gelände ist gesperrt? Dieses zu ignorieren zeugt von großer Arroganz und zeigt nicht ansatzweise den nötigen Respekt vor dieser Veranstaltung und ihrem eigentlichen Sinn.
Anstatt Dr. Motte vorzuwerfen, er wäre “senil” (Zitat aus einem n-tv Interview, sollte Hr. Schaller sich jetzt mal die Frage stellen, wieviel Verantwortung er an dem Tod von zur Zeit 18 Menschen hat. Die wollten, wie alle anderen auch, einfach feiern und haben diesen Wunsch mit ihrem Leben bezahlt.
Bis heute war ich ein überzeugter Verfechter der LoveParade und hatte mich sehr gefreut, dass nachdem Berlin die Parade nicht mehr wollte, das Ruhrgebiet zur Verfügung stand. Viele Jahre blieb ich ihr treu. Bis heute.
Ich wünsche mir, dass Rainer Schaller als Veranstalter für die Parade zurücktritt und mit einer neuen Person, die LoveParade ihren eigenlichen Zweck wieder erfüllen kann. Eine Parade unter Hr. Schaller wird es mit mir nicht mehr geben.
dpa-Meldung von heute:
“Der Erfinder der Loveparade, Dr. Motte, hat den Veranstaltern der Technoparade in Duisburg die Schuld für die Katastrophe mit mindestens 15 Toten gegeben. ‘Die haben einen krassen Management-Fehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal’, sagte der DJ dem Berliner Kurier. Für ihn sei die Frage nach der Verantwortung klar. ‘Die Veranstalter sind schuld!’ Sie hätten aus ‘reiner Profitgier’ gehandelt. ‘Die haben doch gewusst, dass es voll wird. Was also haben Zäune und Security da zu suchen? Bei nur einem Zugang.’ Die Katastrophe sei ‘einfach schrecklich’, sagte der Techno-Guru. ‘Mein Mitgefühl gilt den Familien der Toten und den Verletzten.’ Dr. Motte hatte die Liebesparade 1989 gegründet. Weil die Party seiner Ansicht nach zur ‘Dauerwerbesendung’ verkam, zog sich der Berliner aber 2006 aus dem Organisationsteam zurück.”
Rainer Schaller hat 2 Millionen Euro in die LoveParade investiert… Dem Zitat von Dr. Motte ist wohl nichts hinzuzufügen.
Ich spreche allen Angehörigen der Opfer mein Beileid aus!
Qurius übernimmt Consulting-Sparte von evidanza
Mit Wirkung zum 15. Juli 2010 übernimmt die Qurius Advanced Solutions AG (Hamburg) das Consulting Business der evidanza GmbH aus Regensburg.
Auszug aus dem Newsletter der evidanza GmbH:
“Sie kennen evidanza als erfolgreiches und dynamisches Unternehmen, das immer wieder Ausrufezeichen setzt: Erst vor wenigen Tagen wurden wir als “Bayern Best 50″, eines der wachstumsstärksten Unternehmen Bayerns ausgezeichnet. Die BI-Analysten von BARC identifizierten uns 2009 als den am schnellsten wachsenden BI-Anbieter am deutschen Markt. Beim “Microsoft Partner of the Year Award 2008″ belegte evidanza in der Kategorie “Data Management Solutions – Business Intelligence” (BI) einen von weltweit drei Finalplätzen. Microsoft hatte evidanza schon 2006 in ein Tiefenförderungsprogramm aufgenommen – ein Beweis für herausragende technologische Kompetenz.
Derartige Auszeichnungen sind ein Auftrag für die Zukunft: der Auftrag, künftige Wachstumspotenziale konsequent zu nutzen und weiterhin Maßstäbe bei der Entwicklung von Business Intelligence Plattformlösungen zur Abbildung operativer und strategischer Controlling-Anforderungen sowie zur Optimierung von kaufmännischen und Controlling orientierten Prozessen im Unternehmen zu setzen. Das funktioniert nur mit der richtigen strategischen Ausrichtung – und mit einer Konzentration auf die Kernkompetenzen.
1. Warum trennt sich evidanza vom Consulting Business?
Um sich optimal für weiteres Wachstum auszurichten, legt die evidanza ihr Consulting Business für Direktkunden vollständig in die Hände des langjährigen strategischen Partners Qurius. Das Consulting Geschäft für Direktkunden geht dabei mit Wirkung 15. Juli an Qurius über. Wir ziehen damit letztlich die logische Konsequenz aus dem bisherigen Wachstum: Ab einer bestimmten Unternehmensgröße bieten sich für Software- und Consulting-Einheiten unter einem gemeinsamen Dach keine Synergien mehr für eine nachhaltige und wachstumsorientierte Geschäftsentwicklung. Im Gegenteil: Das gemeinsame Dach entwickelt sich zur Wachstumsbremse.
evidanza kann sich auf ihre Rolle als spezialisierter Entwickler von BI- und Controllinglösungen konzentrieren und ihr Partnernetzwerk noch besser unterstützen…”
Qurius-Pressemitteilung:
Hamburg / Zaltbommel, 16 July 2010 – Today, Qurius announces the acquisition of the consultancy operation of evidanza, a business intelligence technology company based in Regensburg, Germany. The total acquisition consists of 10 consultants, two sales people, and more than 40 customers. Qurius is actively investing in complementary technology and people in order to further build its proposition as the leading European company in sustainable business solutions.
Leen Zevenbergen, CEO: “Business Intelligence (BI) is an essential component in our sustainable solutions offering and strengthens our core business of Microsoft technology based platforms and solutions. This acquisition adds critical expertise and experience to our company, and an excellent quality customer base. We are very happy to welcome this team of high skilled and enthusiastic people in our organization in addition to the strong Business Intelligence team we already have in Germany. Our customers will profit directly from this increase in knowhow and resources.”
Qurius will be evidanza’s preferred strategic partner, which offers both companies technology synergies and European wide sales opportunities. The team will be integrated in the German Qurius Advanced Solutions operation. Evidanza will continue as an international business intelligence (BI) and controlling software company.
Thomas Groβ, Managing Director evidanza: “We want to develop state of the art software, and grow our company focusing on product development. The integration of our consultancy team within Qurius is for us the perfect solution. Qurius has European wide presence and proven competence within the Microsoft product suite, with our technology as a strong extension.”







